Station 8
Geschichte der Hausweberei
POSAMETER BANDWEBSTUHL
Tauchen Sie nun in die faszinierende Geschichte der Hausweberei ein, die im Hotzenwald nicht nur für den Eigenbedarf betrieben, sondern ab 1744 durch Schweizer Fabrikanten kommerzialisiert wurde. Die Blütezeit der Baumwollspinnerei im Hotzenwald war das Jahrzehnt zwischen 1780 und 1790. Zu dieser Zeit waren rund 9000 Heimarbeiterinnen in dieser Branche tätig.
Bevor das Weben beginnen konnte, war das Spinnen von Garn oder Fäden notwendig, wofür Rohmaterialien wie Schafwolle, Baumwolle, Flachs oder Leinen verwendet wurden. Anfangs geschah dies ausschließlich von Hand, indem die rohe Wolle mit den Fingern verdreht wurde. Später erkannte man, dass das Anbringen eines Gewichts am Anfang des Fadens diesen Prozess erleichterte. Diese Methode wird bis heute angewendet. Aus dieser primitiven Technik entwickelte sich das Handspinnrad und später im 17. Jahrhundert das bekannte Tretspinnrad.
TRETSPINNRAD
Sobald das Garn gesponnen war, konnte man mit dem Weben beginnen. Der Germanische Webstuhl, den Sie hier sehen, wurde von uns nachgebaut. Es handelt sich um einen sogenannten Gewichtswebstuhl, an dem wir Ihnen anschaulich erklären können, wie das Weben funktioniert.
GERMANISCHER WEBSTUHL
Ein Webstuhl ist eine Vorrichtung, die zum Weben von Stoffen und Textilien verwendet wird. Er besteht aus einem stabilen Gestell, auf dem ein Webrahmen ruht. Dieser Webrahmen enthält die Kettfäden, die vertikal verlaufen und fest gespannt sind. Sie bilden das Grundgerüst des Gewebes.
Der Webstuhl ermöglicht das Weben von Stoffen, indem er die vertikalen Kettfäden des Webrahmens mit horizontalen Schussfäden mittels eins Schiffchens in einem bestimmten Muster verkreuzt. Je nachdem, welche Kettfäden vom Weber angehoben oder abgesenkt werden, entsteht das gewünschte Muster im Stoff. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis der Stoff die gewünschte Länge erreicht hat.
Der Vorgang ist recht komplex und wir empfehlen Ihnen daher, den Film anzusehen. Hier können Sie unseren Webstuhl in Aktion erleben.
FILMSEQUENZ WEBSTUHL IN AKTION
Später gewann die Seidenband- und Seidentuch-Hausweberei an größerer Bedeutung. Nachdem der badische Staat im Jahr 1834 dem deutschen Zollverein beigetreten war, vergaben Schweizer Bandfabrikanten sofort Heimarbeit an Handwebstühlen im Hotzenwald. Zu dieser Zeit waren ungefähr 2000 Menschen als HeimarbeiterInnen in diesem Bereich beschäftigt.
Ein bedeutender Wendepunkt ereignete sich im Jahr 1898, als das erste Flusskraftwerk Europas in Rheinfelden in Betrieb genommen wurde. Dank der Eigeninitiative der rasch gegründeten Hotzenwälder Genossenschaft "Waldelektra" stand bereits 1904 neuer elektrischer Strom für die Webstühle im Hotzenwald zur Verfügung.
An der Stirnseite unserer Ausstellung können Sie einen solchen über 100 Jahre alten Posamenter-Bandwebstuhl bewundern. Diese Webstühle blieben noch bis 1972 in den Häusern des Hotzenwalds im Einsatz. Erst mit der Einführung von Nadelwebautomaten verlagerte sich die Webereiarbeit in Fabriken, da diese Automaten für die Heimarbeit ungeeignet waren. Dies markierte das Ende einer Ära in der Hotzenwälder Hausweberei.
Unser Posamenter-Bandwebstuhl stellt eines der letzten erhaltenen Exemplare seiner Art dar. Unser Webermeister Oskar Matt, der einst als Heimweber tätig war, hat zur Gründung des Museums in mühevoller Arbeit über Jahre hinweg dafür gesorgt, dass dieser historische Webstuhl wieder zum Leben erweckt wurde.
Dieses Projekt „Erweiterung der Sensibilisierung zur Grafschaft Hauenstein in Naturpark Südschwarzwald“ wurde als Vorhaben des Landes Baden-Württembergs im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 - 2027 mit Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert.