Station 4

Die Salpetereraufstände

FÜHRUNG FREILICHTMUSEUM KLAUSENHOF MIT SALPETERER MICHAEL ECKERT

Wir haben Ihnen zuvor den nahezu vergessenen Beruf des Salpeterers vorgestellt. Werfen wir nun einen Blick auf die historische Bedeutung der Salpeterer und deren Unruhen im 18. Jahrhundert.

Die Salpetereraufstände im Hotzenwald waren eine historische Periode des Widerstands und sozialen Aufstands. Sie ereigneten sich hauptsächlich zwischen 1736 und 1749 und hatten ihre Ursprünge in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Unzufriedenheiten.

Zu jener Zeit genossen die "freien" Bauern im Hotzenwald bestimmte Freiheiten und Rechte, die ihnen im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen Herrschern und Landesherren gewährt worden waren. Sie sicherten den Bewohnern eine gewisse Selbstverwaltung und Autonomie zu.

Im 18. Jahrhundert begannen die Geistlichen des Klosters St. Blasiens, die die Region kontrollierten, die Rechte der Bauern einzuschränken und die Leibeigenschaft wieder einzuführen. Diese Maßnahmen stießen auf starken Widerstand unter den Bewohnern des Hotzenwalds.

Die Salpeterer spielten bei den sich entwickelnden Aufständen eine bedeutende Rolle. Wie bereits erklärt, zogen sie von Hof zu Hof, um Salpeter zu gewinnen. Dabei nutzten sie diese Besuche, um ihre Überzeugungen für Freiheit und Selbstbestimmung zu verbreiten und den Widerstand gegen die Neuregelungen zu organisieren.

Johann Albiez, oft als der "Salpeterer-Hans" bezeichnet, wurde zu einer zentralen Figur des Aufstands. Er engagierte sich leidenschaftlich für die alten Rechte der Grafschaft Hauenstein und setzte sich für die Bewahrung de r Freiheitsrechte ein. Seine Aktivitäten führten ihn 1726 bis nach Wien, um dort die alten Rechte vor dem Kaiser einzufordern. Doch seine Bemühungen wurden jäh gestoppt, als er in Freiburg verhaftet wurde und 1727 im dortigen Gefängnis verstarb.

Nach dem Tod von Johann Albiez entschied sich Michael Eckert aus Herrischried, gegen die Unterdrückung Widerstand zu leisten, und beteiligte sich an den weiteren Aufständen. Daraufhin wurde er im Jahr 1739 in Waldshut auf dem Albbrucker Hinrichtungsplatz mit dem Schwert hingerichtet. Die "Salpetererführung" im Freilichtmuseum Klausenhof in Herrischried vermittelt Ihnen einen lebendigen Eindruck seines Lebens. Wir können Ihnen diese Schauspiel-Führung nur wärmstens empfehlen.

Trotz des mutigen Einsatzes der Salpeterer wurden die Aufstände letztendlich gewaltsam niedergeschlagen. Als Folge wurden ganze Familien und Kinder ins Banat und nach Siebenbürgen verbannt. Dennoch haben die Ereignisse bis heute in der Region ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedeutung von Freiheit und Menschenrechten hinterlassen. Ihr Vermächtnis prägte maßgeblich die spätere Entwicklung der politischen und sozialen Strukturen.

Die Salpetereraufstände im Hotzenwald stellen ein bemerkenswertes Kapitel in der Geschichte des Widerstands gegen Unterdrückung und für Freiheit dar. Sie verdeutlichen den Mut und die Entschlossenheit der Menschen in dieser Region, für ihre Rechte und Überzeugungen einzustehen, selbst unter schwersten Bedingungen.

Historischer Abriss: 

Die Salpeterer kämpften vor fast 300 Jahren für Demokratie und Menschenrechte.
 

1254            Das Kloster St. Blasien und der "Wald" kommen unter die Landeshoheit der Habsburger. Die "Freibauern" haben als "Rodungssiedler" besondere Rechte.

 

1408            Die Grafschaft Hauenstein fällt nach dem Tode von Graf Hans von Habsburg-Laufenburg wieder an das Haus Habsburg-Österreich zurück. Die Bevölkerung behält ihre besonderen Privilegien.

 

1516            Kaiser Maximilian I. bestärkt die Rechte der Hauensteiner, dass sie "keine Steuer oder Dienst thuen sollen".

1563            Beschwerden der Hauensteiner bei der vorderösterreichischen Regierung über St. Blasien bezüglich der Leibeigenschaft und später wegen Eingriffe in die Rechte der Grafschaft (Selbstverwaltung).

1725            "Dogerner Rezess". Neuer Vertrag zwischen dem Kloster St. Blasien und den Hauensteiner Einungsmeistern. Das Kloster erhält neue Rechte.

 

1726            Der "Salpeterer Hans" fährt nach Wien, um die alten Rechte wieder einzuklagen. Nach seiner Rückkehr wird er in Freiburg in Arrest genommen. Seine Anhänger nennen sich "Salpeterer", da Hans Albietz dem Handwerk des Salpeter-Kratzens nachging. 1. Salpeterer-Aufstand

 

1727            Der "Salpeter-Hans", selbst Einungsmeister, stirbt im Freiburger Arrest.

 

1727            Weiterer Widerstand der "Unruhigen". Die Regierung ernennt einen Redmann der "Ruhigen".

 

1729            Salpeterer-Führer werden verhaftet und zur Zwangsarbeit verbannt.

 

1737            Die Salpeterer klagen die Regierung an, den Einungsmeister der "Ruhigen" widerrechtlich eingesetzt zu haben.

 

1738            St. Blasien will seine angeblichen Rechte der Leibeigenschaft an die Hauensteiner verkaufen.

 

1739            Eine Salpeterer-Demonstration bei Etzwihl wird von den Regierungstruppen gewaltsam aufgelöst. 2. Salpeterer Aufstand.

 

                   Die Anführer der Salpeterer werden gefangen oder hingerichtet. Auch Michael Eckert wird hingerichtet.

 

1745            Sieg der Salpeterer bei den Einungsmeisterwahlen.

 

1754            Die Anhänger der Salpeterer verlangen erneut eine unparteiische Untersuchung ihrer Beschwerden.

 

1755            Die restlichen Anführer der Salpeterer werden mit ihren Familien verhaftet und in das Banat (damals Ungarn, heute West-Rumänien) verbannt. Der Widerstand wird gebrochen.

Dieses Projekt „Erweiterung der Sensibilisierung zur Grafschaft Hauenstein in Naturpark Südschwarzwald“ wurde als Vorhaben des Landes Baden-Württembergs im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 - 2027 mit Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert.