Station 10
Hauensteiner Grafschaft
EINUNGSMEISTER - COPYRIGHT RUNDE DER EINUNGSMEISTER
Der heutige Hotzenwald wurde erst spät, etwa um das Jahr 900, von Siedlern bevölkert. Die Herren von Tiefenstein zeigten starkes Interesse daran, das urwaldähnliche Gebiet zu roden. Um dies zu erreichen, gewährten sie ihren Siedlern beträchtliche Freiheiten und Rechte, wodurch diese gewissermaßen den Status von Freibauern erlangten. Als das Tiefensteiner Geschlecht im 13. Jahrhundert ausstarb, wurde die Rodung unter der Aufsicht der Klöster Säckingen und St. Blasien fortgesetzt. Interessanterweise wurden die neuen Siedler zu dieser Zeit nicht mehr als Freibauern betrachtet, sondern als Leibeigene.
Die Verbreitung der Leibeigenschaft erfolgte vergleichsweise rasch, insbesondere aufgrund des "Gesetzes zur linken Hand", nach dem alle Kinder leibeigen wurden, wenn auch nur ein Elternteil dieser Rechtsstellung unterlag.
Die Grafschaft Hauenstein, ein Habsburger Hoheitsgebiet, zeichnete sich seit der Mitte des 14. Jahrhunderts durch eine einzigartige Selbstverwaltung aus, basierend auf einer Einungsverfassung mit verschiedenen Grundrechten – eine damals in Deutschland einmalige Struktur. Die Grafschaft bestand aus acht "Einungen", die sich auf die Gemeinden Görwihl, Rickenbach, Murg, Laufenburg, Dachsberg, Höchenschwand, Albbruck und Dogern erstreckten. Dieses Gebiet entspricht dem heutigen Hotzenwald.
HAUENSTEINER GRAFSCHAFT
Die 8 Einungen erfüllten ihre staatlichen Aufgaben mithilfe von gewählten und beauftragten Einungsmeister. Ein bedeutendes Merkmal der oft betonten Freiheitsrechte der Hauensteiner bestand darin, dass sie den Einungsmeister jedes Jahr frei wählen konnten. Diese Wahl fand öffentlich in allen acht Einungen am 23. April, dem Georgstag, statt. Jeder verheiratete Mann mit eigenem Haushalt konnte wählen und ebenfalls selbst gewählt werden, unabhängig davon, ob er als freier Bürger oder als Leibeigener galt. In einer Versammlung in Görwihl eine Woche später wählten die acht ausscheidenden Einungsmeister sowie die neu gewählten Einungsmeister den Redmann, der als Sprecher und höchster Vertreter der Grafschaft fungierte.
STRUKTUR DER HAUENSTEINER EINUNGEN
Der frisch gewählte Redmann war verpflichtet, das Amt anzunehmen und auszuüben, obwohl die Entschädigung von zehn Gulden pro Jahr äußerst bescheiden war. Das Amt selbst war ein rein ehrenamtliches Engagement. Eine der Hauptaufgaben des Redmanns bestand darin, bei der Festlegung der Steuern durch die Landstände mitzuwirken und insbesondere die Verteilung der Steueranteile auf die einzelnen Höfe ihrer Einung zu überwachen.
Dieses Projekt „Erweiterung der Sensibilisierung zur Grafschaft Hauenstein in Naturpark Südschwarzwald“ wurde als Vorhaben des Landes Baden-Württembergs im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 - 2027 mit Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert.